Mit Umwegen nach Deutschland…

Zuerst der Schock, die Auslosung: Eine Hammergruppe! Das ewig junge Duell mit der Niederlande, dazu noch die starken Rumänen, die immer für eine Überraschung guten Finnländer, dazu die vermeintlich leichten Gegner Mazedonien, Armenien und Andorra. Die Spiele konnten beginnen…

08.09.2004 Niederlande – Tschechien 2:0 (1:0) Tore: van Hooijdonk (2)
Ist es erwähnenswert, dass es eine Neuauflage des nicht einmal drei Monate vergangenen EM-Vorrundenspiels 2004 war (3:2 für Tschechien)?
Ist es erwähnenswert, dass beide Mannschaften nach EM-Qualifikation und EM nun schon zum vierten Mal in drei Jahren gegeneinander spielten?
Ist es erwähnenswert, dass die Niederländer im Programmheft eine falsche tschechische Flagge abgedruckt hatten?
Ist es erwähnenswert, dass Star-Schiri Markus Merk nicht grade seinen besten Tag hatte?
Nein? Egal.
Weiter geht’s im Text…

09.10.2004 Tschechien – Rumänien 1:0 (1:0) Tor: Koller (Foulelfmeter)
Aufgrund des negativen Starts ein sehr wichtiger Sieg, wenn auch recht glücklich. Ein verwandelter berechtigter Foulelfmeter sorgte für Beruhigung. Das Fernduell gegen die Niederlande und später auch Rumänien konnte also beginnen…
Die Niederländer spielten übrigens zur gleichen Zeit in Mazedonien nur unentschieden, ließen also die ersten (und letzten) Federn.

13.10.2004 Armenien – Tschechien 0:3 (0:2) Tore: Koller (2), Rosicky
Der erste Sieg gegen einen sogenannten Kleinen. Bitte die Armenier nicht unterschätzen, welche gegen Rumänien immerhin unentschieden gespielt haben und gegen Andorra sogar gewannen. Letztlich ein nie gefährdeter Pflichtsieg auf dem Weg nach Deutschland.

17.11.2004 Mazedonien – Tschechien 0:2 (0:0) Tore: Lokvenc, Koller
Hier hat sich die wahre Klasse gezeigt: Was die Niederländer nicht können, schaffen die Tschechen quasi mit links: In Mazedonien gewinnen!
Aber Spaß beiseite: Mazedonien hatte zwar nichts mit dem Gruppensieg zu tun, ist aber nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, auch das Rückspiel hatte es in sich…

26.03.2005 Tschechien – Finnland 4:3 (2:0) Tore: Baros, Rosicky, Polak, Lokvenc – Litmanen, Riihilathi, Johansson
Ein weiterer Beweis für die Ausgeglichenheit und Stärke dieser Gruppe: Der Fakt, dass das Siegtor erst in der 87. Minute fiel, sagt alles. Respekt, Finnland! Zu diesem Zeitpunkt hatten diese übrigens noch realistische Chancen auf eine Überraschung tabellenmäßig gesehen. Aber (leider/zum Glück) ließen sie später doch stark nach…

30.03.2005 Andorra – Tschechien 0:4 (0:2) Tore: Jankulovski (Foulelfmeter), Baros, Lokvenc, Rosicky (Foulelfmeter)
Ein Pflichtsieg, nicht mehr und nicht weniger. Wer nach Deutschland will, muss auch in Andorra gewinnen können. Klingt hart, ist aber so.

04.06.2005 Tschechien – Andorra 8:1 (3:1) Tore: Lokvenc (2), Koller, Smicer, Galasek (Foulelfmeter), Baros, Rosicky (Foulelfmeter), Polak - Riera
Noch ein Pflichtsieg, wenn auch deutlich höher. Ganz nebenbei das torreichste Spiel der gesamten WM-Qualifikation in Europa. Und gut fürs Torverhältnis war es allemal…

08.06.2005 Tschechien – Mazedonien 6:1 (2:1) Tore: Koller (4), Rosicky (Foulelfmeter), Baros - Pandev
Das Ergebnis vertuscht eine entscheidende Tatsache: Mazedonien hat bis kurz vorm Halbzeitpfiff mit 1:0 geführt und war besser, als das Ergebnis vermuten lässt! Erst vier (!) Koller-Tore in Folge (wenn auch halbzeitübergreifend) sorgten für die nötige Lockerheit. Und so durfte sogar Publikumsliebling Baros nach vielen vergeblichen Versuchen am Ende nochmal jubeln. Ihm sei es gegönnt!


03.09.2005 Rumänien – Tschechien 2:0 (1:0) Tore: Mutu (2)
Eine erschreckend schwache Leistung der tschechischen Mannschaft, die Niederlage war nicht unverdient. Ab jetzt galt ein neues Ziel: Nachdem die Niederlande mit vier Punkten Vorsprung enteilt waren, galt es nun, einen der besten Gruppenzweiten zu stellen, der ebenso für die direkte Qualifikationen berechtigte.
Nun stand die Mannschaft unter gehörigen Druck.

07.09.2005 Tschechien – Armenien 4:1 (0:0) Tore: Polak (2), Heinz, Baros - Hakobyan
Das letzte Spiel gegen einen so genannten Kleinen. Das musste gewonnen werden, und es wurde auch gewonnen. Unspektakulär, souverän, normal halt…
Und jetzt: der ultimative Kracher gegen die Niederlande in Prag…

08.10.2005 Tschechien – Niederlande 0:2 (0:2) Tore: van der Vaart, Opdam
Satz mit x: Das war wohl nix. Knackpunkt war ein verschossener Elfmeter, ab dann nahm das Schicksal seinen Lauf. Zwei Tore kurz hintereinander und das Spiel war im Prinzip gelaufen. Wenn man kein Glück hat, kommt auch noch Pech dazu.
Aber das „schlimmste“: Die Rumänen hatten die Tschechen klammheimlich in der Tabelle überholt, hatten aber schon alle Spiele hinter sich gebracht. Es musste unbedingt ein Sieg in Finnland her, sonst wäre es das gewesen, was WM 2006 in Deutschland angeht. Ein Unentschieden hätte zwar zur Punktgleichheit mit Rumänien gereicht, jedoch sprach der direkte Vergleich gegen die Tschechen. Siegen oder (nach Hause) fliegen!

12.10.2005 Finnland – Tschechien 0:3 (0:1) Tore: Jun, Rosicky, Heinz
Nach starken Irritationen um die Anstoßzeit und einer vergebenen Großchance der Finnen trafen die Tschechen glücklicherweise schon nach wenigen Spielminuten. Dann ließ man nichts mehr anbrennen, die harmlosen Finnen (für die es nach mehreren Niederlagen um nichts mehr ging) fügten sich ihrem Schicksal…


Nun, das mit einem der besten zweiten Plätze ist auch nichts mehr, also hieß Relegation das Zauberwort. Schweiz, Norwegen und Slowakei (besonders brisant) standen als potentielle Gegner zur Verfügung. Aber Fortuna meinte es ausnahmsweise gut mit der tschechischen Mannschaft und bescherte zwei Spiele gegen Norwegen, zuerst auswärts. Damit konnte man leben. Das größte Glück aber war die doch recht unerwartete Rückkehr von Superstar Pavel Nedved ins Nationalteam, welcher nach der EM 2004 eigentlich seinen Rücktritt erklärt hatte.


12.11.2005 Norwegen – Tschechien 0:1 (0:1) Tor: Smicer
Man hätte das Spiel auch in einem großen Sandkasten austragen können, die Unterschiede wären nicht allzu groß gewesen. Dank eines beherzten Auftritts mit einem überragenden Nedved und einer stabilen Deckung, allerdings auch recht harmlosen Norwegern, gelang ein verdienter Auswärtssieg in Oslo.
Man stand also mit anderthalb Beinen in Deutschland, was sollte in Prag schon anbrennen?

16.11.2005 Tschechien – Norwegen 1:0 (1:0) Tor: Rosicky
Es kam so, wie es kommen musste. Norwegen war mindestens gleichwertig und hätte genauso gut mindestens zwei Tore schießen können, aber ein sehr guter Torwart Cech und Unvermögen der Norweger verhinderten dies zum Glück. Da sorgte auch Rosickys schöner Treffer gegen Ende der ersten Halbzeit nicht unbedingt für Beruhigung.
Nach einem Hin und Her mit Chancen auf beiden Seiten war der Schlusspfiff wie eine Erlösung. Die erste WM-Teilnahme in der Geschichte der eigenständigen Tschechischen Republik war vollbracht. Der Rest war grenzenlose Glückseligkeit…

Willkommen in Deutschland!